Zirkuläre Geschäftsmodelle heben ungenutzten Wert

19. November 2020 11:23

Bern - Kreislauffähige Geschäftsmodelle gewinnen den Wert von Produkten nach deren Gebrauch zurück. Daher können sie ebenso profitabel sein wie lineare Geschäftsmodelle. Darauf hat Punkt Rufer an einer Veranstaltung von ActionJam zur Kreislaufwirtschaft hingewiesen.

ActionJam ist ein Verein, der von Schweizer Grossunternehmen gegründet wurde, um Fach- und Führungskräften aus dem Innovationsmanagement zu vernetzen. Zu ihnen gehören Unternehmen aus praktisch allen wichtigen Branchen des Landes. Philipp Rufer vom Berner Beratungsunternehmen Punkt Rufer hat an der ActionJam-Veranstaltung zur Kreislaufwirtschaft Mitte November auf die Chancen der Kreislaufwirtschaft für Unternehmen hingewiesen. Viele Produkte würden in der heutigen linearen Wirtschaft nach ihrem Gebrauch entsorgt, obwohl sie noch werthaltig sind. Da setze die Kreislaufwirtschaft an: Die Produkte können je nach ihrem Charakter mit anderen geteilt, wiederverkauft, wiederverwendet oder wiederverwertet werden. Wenn dieser bisher ungenutzte Wert der Produkte gehoben werde, könnten zirkuläre Geschäftsmodelle mindestens ebenso profitabel werden wie lineare, so Rufer. Dafür brauche es Innovatoren.

Eine ganze Reihe von Unternehmen hätten solche kreislauffähigen Geschäftsmodelle bereits entwickelt, so Rufer. So biete der deutsche Hersteller Miele seine Waschmaschinen auch zur ein- bis vierjährigen Miete an. Miele nehme die Maschine anschliessend zurück und verwerte sie oder ihre Teile erneut, wenn der Kunde sie nicht selber behalten wolle. Der Zürcher Turnschuhhersteller On wiederum bietet mit Cyclon den ersten Laufschuh zur Miete an, für 35 Franken im Monat. Nach der Nutzung durch die Kunden wird der Schuh wiederverwertet.

Rufer weist auf das grosse wirtschaftliche Potenzial der Kreislaufwirtschaft hin: Erst 9 Prozent der Wirtschaft seien kreislauffähig. Daher warten noch neun Zehntel der Wirtschaftsleistung darauf, dass ihre Werte effizienter genutzt werden – eine riesige Chance für findige Unternehmer. Kreislaufwirtschaft löse aber auch Anpassungen bei den Strukturen nicht nur im Vertrieb aus und benötige einen Kulturwandel im Unternehmen.

An der Veranstaltung haben auch Walter Stahel, einer der Väter der Kreislaufwirtschaft und Mitglied des Club of Rome, und Catharina Bening vom sus.lab der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich Keynote-Referate gehalten. stk